the window to my life

Archiv für Juni, 2010

Was ich an Schweden nicht verstehe ….

… ist der Patriotismus. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Ich bin in eine Welt geboren, zwischen zwei Kulturen und so bin ich in Österreich aufgewachsen. Wenn man bei uns auf einer Bomberjacke die österreichische Flagge sieht …. schleeeecht, ganz schlecht – Strassenseite wechseln. Wenn man bei uns in einem Auto die Österreichische Flagge sieht, schleeeecht, ganz schlecht … sicher ein Rechter. Wenn man bei uns aus dem Fenster eine österreichische Flagge sieht, furchtbar schlecht, viel schlimmer geht es eigentlich nur wenn die Burschenschaften die deutsche Flagge hissen, das ist schon sowas wie eine Ohrfeige in das Gesicht jeden Sozialdemokraten in Österreich. Schon bei der EM vor 2 Jahren war dieser Trend mit den Autofahnen seltsam fuer mich, ich konnte nicht verhindern das sich mein Bauch jedes mal zusammengezogen hat wenn ich das gesehen habe. Nach der EM hat die Polizei die Beflaggung von Privateigentum wieder verboten … und mir ging es bedeutend besser. Wer noch beflaggt hatte …. den habe ich auch entsprechendes Blickes gewuerdigt. Wer hisst denn bitte die Flagge einfach so? Ohne Feiertag?

Hier in Schweden muss ich völlig umdenken. Nicht nur das in ALLEN Midsommar Rezepten die ich gelesen habe steht das alles schwedisch sein muss, damit der Schwede gluecklich ist (Schwedischer Hering, Schwedische Erdbeeren, Schwedische „Färsk Potatis“) nein auch jedes unserer Nachbarhaeuser ist beflaggt.

Man mag es nicht glauben unsere Nachbarn haben wirklich meterhohe Fahnenmaste im Garten stehen, nur um die schwedische Flagge tagaus, tagein gehisst zu haben. Und weil das nicht genuegt ist auch noch ein kleines Steckerl an der Hausmauer angebracht wo die Miniaturversion der Schwedenflagge weht. „Ist das rassistisch?“ habe ich meinen Freund gefragt „ach nein“ war die Antwort. Nagut …. der Schwede ist halt ein alter Patriot. Das merke ich schon an meinem Freund, der ungläubig ist das ich mich nicht scheue belgische Erdbeeren zu kaufen, österreichische Suppenwuerfel zu verwenden und davon spreche das ich auch alte, gelbe Kartoffeln gerne esse und das es nicht die viel geliebten, kalorienarmen „färsk potatis“ sein muessen. Auch das ich schon jetzt plane was ich in Ö im September nachkaufen will bringt ihn zu einem Kopfschuetteln und vielleicht hat er recht, vielleicht bin ich ganz ohne eine einzige Flagge zu hissen, auch sehr viel Patriot und meine österreichischen Putzmittel, Hautcremen und Kochgewuerze sind eben das Äquivalent zu färsk potatis und svensk jordgubbar (schwedische Erdbeeren).

Die ganze Woche streiten sich die Zeitungen schon „wird es schwedische Erdbeeren zu Midsommar geben?“ und oh Schreck, oh Graus … daneben ein Bild von gruenen, unreifen Erdbeeren – die Nation bangt um das Fest … *weglach*
Und gestern … die Erdbeerverkaeuferin vorm Supermarkt steht da wie jeden Tag und ich gucke und sage zu meinem Freund – „schau mal, die Erdbeeren sind 10 Kronen teurer geworden“ und da schaue ich nochmal und neben mir leuchten zwei glueckliche Jungenaugen auf …. auf dem Schild steht „svensk jordgubbar“ …. 45 Kronen pro Tasse …. Naja was bleibt mir uebrig als meinem Schatz eine Tasse zu kaufen? Aber erst nach dem Einkauf denke ich mir, ich wollte ihn ueberraschen. Als wir den Supermarkt wieder verlassen … fallen mir die Augen aus dem Kopf. Wo vorher mindestens 30 Tassen Erdbeeren standen, war jetzt nichts …. das letzte Tatzerl wurde gerade verkauft. Tja … sagte mein Freund niedergeschlagen: Die Schweden mögen eben Erdbeeren …. „Schwedische Erdbeeren“ fuege ich im Kopf hinzu und sage nichts. Ich glaube … ich werde mich gleich anziehen und auf die Jagd nach welchen gehen … vielleicht kann ich ihn ja nach der Arbeit ueberraschen, lach.

Ueber Midsommar spricht jeder … vorallem auf dem Land …. wir haben versucht eine Party zu organisieren, waren aber zu spaet drann … jeder hatte einfach schon etwas vor. Jetzt …. werden wir einfach mit den Nachbarn feiern schaetze ich. Mein Schatz meint solang man Schnaps mitbringt kann man ueberall mitfeiern. Als dazupassendes Bildmaterial empfehle ich auf Links-Katgos Auswandererblog zu klicken und sich das Video zum schwedischen Midsommar anzugucken, lach.

Liebe Gruesse vom Schwedischen Land – bis bald!

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Vårdcentral bzw. Arztbesuch auf schwedisch

Nachdem ich gerade einen nachmittag schwedische Gartenarbeit hinter mir habe und mir die Arme schmerzen, brauch ich mal bissl Abwechslung und möchte von meinen Erlebnissen bezüglich schwedischen Arztbesuch erzählen. Ich kann keine großen Reden schwingen über das ganze schwedische System, nur meine eigenen Erfahrungen wiedergeben.

Leider hat es sich ergeben, dass ich die Notdurft nach einen Arzt habe – gynäkologischer Natur, habe ich ein Problem was mir und meiner Familie der ich mich anvertraut habe Rätsel aufgibt. Ich habe mit meinem Gynäkologen in Österreich e-mail Kontakt gehabt und der hat mir mal 10 Tage Anitibiotika verschrieben, als noch immer keine Besserung in Sicht war, war klar – ich muss in Schweden zum Arzt. Meine Begeisterung lies erstmal zu wünschen übrig, das Unbekannte schreckt mich doch noch und dann vorallem mit so einem heiklen Thema. Mein Freund ist zwar Schwede, aber bei solchen Sachen hat er auch keinen Plan – man hat nicht die freie Arztwahl – man geht mit allem ins Krankenhaus habe ich mir sagen lassen. Mein Freund hat also erstmal im Krankenhaus auf der Gynäkologie angerufen, dort wurden wir in die nächste Vårdcentral  (so eine Art medizinischem Care Center) geschickt – wir sollen uns dort eine Überweisung für die gynäkologische Abteilung holen. Wir also in die nächste Vårdcentral am nächsten Tag, dort hat man uns weggeschickt – wir sind falsch – wir gehören zu einem anderen Bezirk. Meine Mutter in Wien hat schon gestrampft vor ungeduld und geschimpft und ich kann ihren Unmut teilen – in Österreich wird man prinzipiell nicht weggeschickt wenn man ein medizinisches Anliegen hat – ein glattes Minus für Schweden in meinen Augen. Wir wurden nach „Kronoparken“ verwiesen. Da es schon Abends war und die Vårdcentral nur bis 17 Uhr offen hat mussten wir heimfahren. Mein Freund hat am nächsten Tag in Kronoparken angerufen, nein auch da waren wir falsch. Da wir am Land wohnen zwischen zwei Städten stellte sich heraus wir waren in der ganz falschen Stadt – wir mussten nach Molkom in die Vårdcentral fahren. Am nächsten Tag (genauergesagt letzten Dienstag) also dorthin … es war NICHTS los – das ist ein glattes Plus. Wie überall in Schweden musste man eine Nummer ziehen, nur das die Nummer die wir zogen bereits am Display stand. Nur die Rezeptionistin war nicht da – dafür konnte man eine Glocke ringeln und die Dame erschien. Ich war ein bissi verunsichert, da ich ja durch den Leistungsexport noch über Österreich versichert war und nicht genau wusste ob die europäische Krankenversicherungskarte ohne Umschweife akzeptiert wird – aber der Rezeptionistin war das so egal. Die hat die Karte nichtmal angeguckt, nur meine Personnummer eingegeben – 150 Kronen Praxisgebühr kassiert und wir wurden gebeten zu warten. Das ist ein weiteres Minus für mich in Schweden. Praxisgebühr … sowas haben wir in Österreich nicht, gelobt sei die E-Card. Ich weiß auch das die Schweden 100 Euro pro Monat zahlen müssen für die internationale Versicherungskarte – mein Freund hat sich das mal machen lassen – wir haben die einfach hinten auf der E-Card drauf. Also Ösis … kein Beschweren über die pleite Krankenkasse ab jetzt mehr :p

Nach kurzem warten wurden wir von einem viel zu jung aussehnden Arzt in ein Zimmer gebeten – er redete auch englisch. Ich trug also mein Anliegen vor und dann musste ich mich teils nackig machen. Äh ja … einfach so ohne Kabine und mit meinem Freund neben mir sitzend. Das kenne ich aber von Ösi-Gyns anders, aber egal, man will ja nicht prüde wirken, also habe ich halt Haut gezeigt. Dann auf einmal meinte er – er will mal mit seinem Kollegen Rücksprache halten, der ist Gynäkologe …. urghs … wieso zieh ich mich eigentlich vor dem aus wenn das gar kein Gyn ist? LACH … nagut …. RÄUSPER …. der viel zu junge Arzt ist also abmarschiert und mein Freund und ich saßen bedröppelt da -wir dachten wir kriegen hier einfach nur ne Überweisung, aber nagut.

Der Arzt kam zurück und fragte mich so ca. 100 Mal ob ich schwanger sein könnte – was ich verneinte. Geglaubt hat er mir nicht, wollten nen Schwangerschaftstest machen und einen Hormonstatus, aber nicht mehr heute – das musste man am Vormittag machen – und da musste mein Freund arbeiten, ich musste also ganz alleine nochmal dorthin. Am nächsten Tag mit Navi ausgestattet habe ich mich auf den Weg gemacht und ich muss  sagen es war ein scheiß Gefühl dort zu sein ohne die nötigen Sprachkenntnisse – mit der Rezeptionistin habe ich mich mehr schlecht als recht verständigt und ich wusste nicht soll ich warten, soll ich weitergehen – da kein anderer Patient da war konnte ich mir nix abschauen – es war gähnende Leere, ich war der einzige Patient dort. Ich beschloss, wenn ich mehr als ne halbe Stunde hier saß und ignoriert werden würde, dann würde ich einfach mal den Gang weiter entlang gehen und gucken. Es gab viele Infoschilder an den Wänden, von denen ich kein einziges lesen konnte … ich verfluchte mal wieder das Komvux … bis jetzt hat sich kein Schwein auf mein Ansuchen auf den Sprachkurs SFI gemeldet – seufz.

Dann kam endlich eine Schwester und ruf mich auf … mit Vornamen … eh klar. Ob ich mich an das je gewöhnen werde? Das Blutabnehmen und in den Becher pinkeln ging rasch, dazu braucht man ja auch nichts verstehen. Gott sei Dank gibt es immer wieder Schweden die sich freuen englisch zu reden, so auch die Schwester. Ich glaube das Lager der Verweigerer und der „Freuer“ ist ca. 50/50 geteilt.

Nachdem alles geschafft war, war ich richtig fröhlich … nur … der nächste Termin für die Ergebnisse ist erst jetzt kommenden Dienstag – also genau 7 Tage dazwischen. Das finde ich persönlich sehr lange …. ich mein …. der Arzt sagte mir meine möglichen Diagnosen liegen irgendwie zwischen Tumor an einer Hormondrüse im Hirn und einfache stressbedingte Hormonstörung … wer will auf solche Ergebnisse 7 Tage warten? In Wien wenn ich ins Blutlabor marschier mit einer Überweisung in der Früh, ruf ich am Nachmittag an und lass mir meine Ergebnisse durchsagen. Aber ich gebe nicht Schweden die schuld dafür, ich denk mir, wenn man heimisch ist, dann weiß man sich viel besser zu helfen, weiß man besser wo man hingeht, wie man sich durchsetzt, traut man sich vielleicht auch eher Einspruch gegen so lange Wartezeiten erheben. Mein Freund ist ja nun leider auch nicht versiert bei dem Thema und schwedische Freundinnen habe ich leider keine … naja … mal schauen am Dienstag wie es weiter geht und ich hoffe ich kann vielleicht ein paar potenziellen Auswanderern mal in Zukunft was ersparen an herumgerenne und herumtelefonieren – lach.

Nun glaub ich muss ich mir das Gras von den Füßen waschen gehen … bitte haltet mir die Daumen, morgen ist mein zweiter Termin beim Arbeitsamt – mit Marlin … und ich muss da auch alleine hin da mein Freund arbeitet – so langsam nable ich mich ab *g*