the window to my life

Archiv für Dezember, 2011

Auswandern – Ein Job in einem Jahr!

Wählen wir den Zeitpunkt: Frühjahr 2010 kurz vor meinem Auswandern nach Schweden. Ich arbeitete seit ca. 4 Jahren bei einer der größten Transport- und Logistikunternehmen am Pharmahandelssektor in Österreich/Deutschland. Meine Position war „Assistentin der Betriebsleitung“ und statt einer klassischen Ausbildung in Wirtschaft hatte ich eine abgebrochene Ausbildung in Chemie vorzuweisen und einen Quereinstieg im Callcenter und viel Erwachsenenbildung, Kurse, Seminare, etc.

Ich wusste es würde in Schweden nicht einfach werden, vor allem da ich nicht schwedisch sprechen konnte. Allein deswegen hatten mich in Foren Leute schon „zerrissen“ aber ich war verliebt und wollte nicht noch Jahre verschwenden auf der Volkshochschule schwedisch zu lernen, sondern bin nach einem halben Jahr Vorbereitung und vielen Überstunden ausgewandert.

Mein Ziel war klar: Ein Job in einem Jahr! Nicht als Assistentin wegen dem Schwedisch, klar! Als was auch immer! Ich war nicht anspruchsvoll, habe ich mir selbst gesagt. Als der Umzug näher und näher kam, bekam ich mehr und mehr Panik. Wie sollte das alles werden ohne Job! Würde ich nach über 10 Jahren als emanzipierte, arbeitende Frau zum Hausmütterchen abstumpfen? Würde ich immer meinen Freund um Geld fragen müssen, bevor ich etwas kaufe? Ich fing an die Reinigungsdamen zu beobachten, die morgens unsere Büros auf Vordermann brachten und der Gedanke ob dies meine zukünftige Karriere werden würde, setzte sich in meinem Kopf als großes rotes Fragezeichen fest.

Doch etwas viel Schlimmeres trat ein, als einfach nur die Berufssparte zu wechseln und vielleicht ein paar Monate bei Mc Doof oder als Reinigungskraft im Fitnesscenter zu arbeiten. Mein Plan ging nicht auf. Egal als was ich mich bewarb, ich bekam keine der Stellen, und glaubt mir, ich habe es wirklich versucht.

Was tun? Ich ging zum Jobcoach, übersetzte meinen Lebenslauf (selbst hatte ich nur nen englischen gemacht und bat um Hilfe betreffend schwedischer Begriffe/Berufsbezeichnungen) Da fing es auch schon an. Laut Jobcoach sei ich eine „VD Assistent“  gewesen (also eine Geschäftsführer Assistentin) doch meinen Arbeitsbereichen zu urteilen nach würde auch „Administratör“, „Ekonomiassistent“, „Chefsekreterare“, etc. etc. als Jobs für mich passen. Da gibt es aber nur ein Problem. Für jede dieser Bezeichnungen gibt es in Schweden eine eigene Ausbildung und Schweden mögen schwedische Ausbildungen. Eine Quereinsteigerin aus Österreich, die sich ihr Wissen mit Praxis am Beruf und Erwachsenenbildung angeeignet hat, so was ist im schwedischen System nicht wirklich vorgesehen.

Als mein Schwedisch besser wurde, habe ich mich auch als Reinigungskraft, Verkaufskraft, Rezeptionistin, Reisebüroassistentin und prinzipiell auf alles, wo das Wort „tyska“/deutsch und „engelska“/englisch vorkam, beworben. Aber weder als Reinigungskraft noch als ICA-Verkäuferin kam ich unter, Minijobs oder geringfügige Beschäftigungen in Kleiderboutiquen kann man sowieso vergessen, ich habe mir erklären lassen, dass der Markt überschwemmt ist. Das ich keinen Job in der Wirtschaft finden wuerde war mir klar, aber das ich ueberhaupt keinen Job gefunden habe, versetzte mich in vollen TERROR!

Finden Ausländer in Schweden keine Arbeit? DOCH! Heiß begehrt sind in Schweden vor allem Lehrer und Ärzte, hat man da die passende Ausbildung kommt man sofort unter. Da muss man gerade einmal die ersten 2 staatlichen Sprachkurse ablegen (SFI, SAS grundläggande) und schwubbs … ich habs mitbekommen! In Värmland siehts auch toll aus für Handwerker und Bauern bzw. Leute mit Erfahrung innerhalb Papierproduktion, aber für mich …es sah düster aus. Es waren mittlerweile fast 1,5 Jahre vergangen und ich hatte hunderte Bewerbungen geschrieben, aus Verzweiflung sogar auf Stellen die 120 km weit weg waren, alles was man noch „pendeln“ konnte.

War es hoffnungslos? 2010 und 2011 waren hart – 45.000 Kronen Zahnarztkosten (die in Österreich so nicht angefallen wären), Heizkosten im Januar 2011 von 5000 Kronen im Monat (ca. 460 Euro) und etlichen Reibereien ums Geld später, war ich an einem toten Punkt an dem ich mich fragte ob ich jemals einen Job finden wuerde.

Bis schließlich das Licht am Ende des Tunnels aufging wie die gleissende Morgensonne über Dubai!

Innerhalb kuerzester Zeit, haben mir nicht nur eine Firma, sondern 2 Firmen in Värmland auf Bewerbungen geantwortet, mich zu Vorstellungsgesprächen eingeladen und mir Angebote gelegt. Ich weiss noch nicht genau welches Angebot ich annehme, das entscheidet sich wahrscheinlich in den nächsten 2 Tagen. Und das Beste, beide Jobs sind im Bereich „Wirtschaft“ und „Kundensupport“.

Damit beginnt ein neuer Lebensabschnitt für mich und freudig stelle ich fest, dass ich „after all“ keine Reinigungskraft sein werde. Nicht dass das etwas Schlechtes wäre, aber ich nehme an, alle verstehen, dass es natürlich wünschenswert ist, in seinem Berufsfeld weiterzuarbeiten.

Was ist nun die Lehre aus meiner Geschichte. Gibt es eine? Vielleicht! Kann ich sie niederschreiben? NEIN!!!

Denn meine Reise fängt gerade erst an und 19 Monate hat es gedauert, bis ich an diesen Beginn angekommen bin. Als ich mein erstes fixes Angebot bekam, war ich nachher in der Stadt einkaufen und strahlte ueber das ganze Gesicht. Plötzlich wurde mir klar, dass Schweden mich noch nie gluecklich gesehen hat.

Bei all den schönen Sachen, die mir hier widerfahren sind und all den netten Dingen, die ich hier erlebt habe, all den lieben Leuten, die ich kennengelernt habe und all den gluecklichen Stunden die ich hier verbracht habe, schwang doch immer eine tiefe Melancholie in meinem Inneren mit, weil ich wusste, dass ohne Job mein Leben hier kein Leben, sondern eher eine Existenz ist und das eine Zukunft nicht abzusehen ist. Manchmal habe ich mir sogar gedacht, dass es nie so weit seinwird und nun entdecke ich, dass ich mir nur nicht so ehrgeizige Ziele hätte stecken dürfen.

Wo ich vor 1,5 Jahren vor lauter Heimweh und Fremdenangst verbittert war auf Schweden, muss ich heute danke sagen. Wenn ich euch potenziellen Auswanderern einen Tipp geben darf: Nehmt alles wahr! Obwohl ich persönlich Schweden eher als „liberales“ Land wahrnehme, gibt es verdammt viele soziale Angebote fuer Ausländer. Auch wenn ich am Anfang meiner Reise nur gesehen habe, wie gross der Support fuer 2. und 3. Welt Länder ist, muss ich jetzt eindeutig sagen: In Schweden fällt keiner durch den Raster und es gibt verdammt viele Angebote. Ich habe mich alle 4 Wochen mit dem Arbeitsamt auseinandergesetzt, war bei 2 verschiedenen Jobcoaches, auf der Universität für die „Karrärveckan“ und habe mehr als nur ein paar Wochen auf „platsbanken/monster/adecco/uniflex“Seiten  etc. verbracht.

Eine seltsame Sache in Schweden ist, dass es scheinbar kein „Standardprocedere“ gibt! Man kann nicht zum Arbeitsamt gehen und sagen „bei XZ den ich kenne war es so, ich will das gleiche Service“ auf die ein oder andere Art hilft das Arbeitsamt mit und lässt keinen einfach so „hängen“ zumindest nicht, wenn man mal lang genug im System ist – also heisser Tipp: Sobald ihr auswandert, euer zweiter Weg (Nach Skatteverket) sollte euch zum Arbeitsamt fuehren!

Wenn das Schicksal es mir gut meint, hat sich das alles jetzt gelohnt und ich darf euch schon bald, vom Anfang meines „richtigen“ Leben in Schweden berichten. UND „HERREGUD, JAG KOMMER ATT HA PENGAR“ …. :-))))

P&K

Xainee

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