the window to my life

Archiv für die Kategorie ‘Jahreszeiten’

Schweden, Sitten und Spätsommer

Heute feire ich meinen ersten kleinen Erfolg. Ich habe das erste Mal mit mir fremden Schweden auf schwedisch gesprochen und zwar bin ich in die Bank und habe einen Scheck eingelöst und Geld eingezahlt. Auf die Frage „hur lång behöver det?“ habe ich zwar ein „vad sa du?“ geerntet, aber ich konnte mich auf schwedisch drueberhangeln. Es ging sicher nicht so gut wie ich wollte, aber es ging irgendwie und ich will mich jetzt bemuehen weniger englisch und mehr schwedisch zu sprechen. Ich glaube das tut mir gut. Statt „på mitt kontot“ habe ich auch „i mitt kontot“ gesagt … aber was solls. Ein Anfang ist gemacht und ich bin relativ stolz und hoffe ich höre mich nicht wie der letzte Affe an.

Letzte Woche habe ich auch den letzten Hauch Spätsommer eingefangen auf Bildern – denn jetzt ist schon alles bunt hier. Die Bilder möchte ich euch noch zeigen.
Ansonsten habe ich gelernt, dass man sich in Schweden unter Freunden zur Begruessung kein Kuesschen gibt (was ich schade finde) und das der Herbst hier nicht am 23. September anfängt und der Fruehling nicht am 21. Maerz, sondern einfach dann wenn halt die Jahreszeit wechselt … interessant interessant.

Und die Kleider haben wir jetzt im Kurs durch – wir können so gut Kleider beschreiben, heute habe ich zu meiner Sitznachbarin gesagt, wenn wir nach Hause in unsere Länder fliegen ist zum. der Telefonsex schonmal gesichert. „Jag har ett par röda strumpbyxor på mig“ 😉 😉 😉

Ach und eine schwedische Weisheit zum Schluss: „Det finns inget dåligt väder. Det finns bara dåliga kläder.“ Ich hoff mal ich hab alles richtig geschrieben, da habe ich noch meine Problemchen. Die Uebersetzung hierzu wäre: „Es gibt kein schlechtes Wetter. Es gibt nur schlechte Kleider.“ Suess oder? Klar, warum sollte sich der Schwede auch eingestehen, dass es in Schweden oft schlechtes Wetter gibt – tze … zieht euch ordentlich an – dann ist das Wetter auch gut.

Das wars fuer heute von mir – hejdå

Was ich an Schweden nicht verstehe ….

… ist der Patriotismus. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Ich bin in eine Welt geboren, zwischen zwei Kulturen und so bin ich in Österreich aufgewachsen. Wenn man bei uns auf einer Bomberjacke die österreichische Flagge sieht …. schleeeecht, ganz schlecht – Strassenseite wechseln. Wenn man bei uns in einem Auto die Österreichische Flagge sieht, schleeeecht, ganz schlecht … sicher ein Rechter. Wenn man bei uns aus dem Fenster eine österreichische Flagge sieht, furchtbar schlecht, viel schlimmer geht es eigentlich nur wenn die Burschenschaften die deutsche Flagge hissen, das ist schon sowas wie eine Ohrfeige in das Gesicht jeden Sozialdemokraten in Österreich. Schon bei der EM vor 2 Jahren war dieser Trend mit den Autofahnen seltsam fuer mich, ich konnte nicht verhindern das sich mein Bauch jedes mal zusammengezogen hat wenn ich das gesehen habe. Nach der EM hat die Polizei die Beflaggung von Privateigentum wieder verboten … und mir ging es bedeutend besser. Wer noch beflaggt hatte …. den habe ich auch entsprechendes Blickes gewuerdigt. Wer hisst denn bitte die Flagge einfach so? Ohne Feiertag?

Hier in Schweden muss ich völlig umdenken. Nicht nur das in ALLEN Midsommar Rezepten die ich gelesen habe steht das alles schwedisch sein muss, damit der Schwede gluecklich ist (Schwedischer Hering, Schwedische Erdbeeren, Schwedische „Färsk Potatis“) nein auch jedes unserer Nachbarhaeuser ist beflaggt.

Man mag es nicht glauben unsere Nachbarn haben wirklich meterhohe Fahnenmaste im Garten stehen, nur um die schwedische Flagge tagaus, tagein gehisst zu haben. Und weil das nicht genuegt ist auch noch ein kleines Steckerl an der Hausmauer angebracht wo die Miniaturversion der Schwedenflagge weht. „Ist das rassistisch?“ habe ich meinen Freund gefragt „ach nein“ war die Antwort. Nagut …. der Schwede ist halt ein alter Patriot. Das merke ich schon an meinem Freund, der ungläubig ist das ich mich nicht scheue belgische Erdbeeren zu kaufen, österreichische Suppenwuerfel zu verwenden und davon spreche das ich auch alte, gelbe Kartoffeln gerne esse und das es nicht die viel geliebten, kalorienarmen „färsk potatis“ sein muessen. Auch das ich schon jetzt plane was ich in Ö im September nachkaufen will bringt ihn zu einem Kopfschuetteln und vielleicht hat er recht, vielleicht bin ich ganz ohne eine einzige Flagge zu hissen, auch sehr viel Patriot und meine österreichischen Putzmittel, Hautcremen und Kochgewuerze sind eben das Äquivalent zu färsk potatis und svensk jordgubbar (schwedische Erdbeeren).

Die ganze Woche streiten sich die Zeitungen schon „wird es schwedische Erdbeeren zu Midsommar geben?“ und oh Schreck, oh Graus … daneben ein Bild von gruenen, unreifen Erdbeeren – die Nation bangt um das Fest … *weglach*
Und gestern … die Erdbeerverkaeuferin vorm Supermarkt steht da wie jeden Tag und ich gucke und sage zu meinem Freund – „schau mal, die Erdbeeren sind 10 Kronen teurer geworden“ und da schaue ich nochmal und neben mir leuchten zwei glueckliche Jungenaugen auf …. auf dem Schild steht „svensk jordgubbar“ …. 45 Kronen pro Tasse …. Naja was bleibt mir uebrig als meinem Schatz eine Tasse zu kaufen? Aber erst nach dem Einkauf denke ich mir, ich wollte ihn ueberraschen. Als wir den Supermarkt wieder verlassen … fallen mir die Augen aus dem Kopf. Wo vorher mindestens 30 Tassen Erdbeeren standen, war jetzt nichts …. das letzte Tatzerl wurde gerade verkauft. Tja … sagte mein Freund niedergeschlagen: Die Schweden mögen eben Erdbeeren …. „Schwedische Erdbeeren“ fuege ich im Kopf hinzu und sage nichts. Ich glaube … ich werde mich gleich anziehen und auf die Jagd nach welchen gehen … vielleicht kann ich ihn ja nach der Arbeit ueberraschen, lach.

Ueber Midsommar spricht jeder … vorallem auf dem Land …. wir haben versucht eine Party zu organisieren, waren aber zu spaet drann … jeder hatte einfach schon etwas vor. Jetzt …. werden wir einfach mit den Nachbarn feiern schaetze ich. Mein Schatz meint solang man Schnaps mitbringt kann man ueberall mitfeiern. Als dazupassendes Bildmaterial empfehle ich auf Links-Katgos Auswandererblog zu klicken und sich das Video zum schwedischen Midsommar anzugucken, lach.

Liebe Gruesse vom Schwedischen Land – bis bald!

Während in Österreich die ersten Knospen erbluehen …

… ist es in Schweden noch tiefster Winter.  Hier ein Bild, welches ich gestern geschossen habe, nicht fern von meinem neuen zu Hause.

Jaaaaaaaaaaa genau so abgelegen *lach* oder zumindest fast. Wir wohnen waahnsinnige 5 Minuten von dort weg. Und ich bin noch immer hin und hergerissen zwischen Schock und Zauber. Ist es nun bedrueckende Einöde, auf die mein Auge blickt, oder bezaubernde Natur? Die angeheiratete Ex-Oma meines Freundes hat gestern erzaehlt, sie wohnte 10 Jahre dort wo wir nun hinziehen werden. Im Sommer wäre es ein Segen und im Winter ein Fluch. So ca. kann ich mir das auch vorstellen – aber nicht nur Svedenäs (unseren Ort) sondern ganz Mittelschweden. Soll es doch zur Winterzeit schon am fruehen Nachmittag dunkel werden.

Wie ihr schon mitbekommen habt, ja ich bin gerade in Schweden und am meisten vermisse ich im Moment gerade meine deutsche Tastatur – ich haemmere immer aufs y statt aufs z und auch umgekehrt. Und mit den Umlauten finde ich mich noch gar nicht zurecht … äåöå ….

Erledigt haben wir schon einiges. Gestern waren wir beim Migrationsverket in Karlstad und auch gleich beim Skatteverket. Leider konnte mir das Skatteverket kaum noch Auskunft geben wie das einmal mit Meldung und Versicherung aussehen wird, aber zumindest haben wir ohne Probleme den Personbevis bekommen, den mein Schatz fuer mein Ansuchen beim Migrationsverket braucht.

Am Migrationsverket war es lustig, mein Freund hat gesprochen und ein hektischer Mitarbeiter der nur mit halben Ohr zuhörte, fragte „You are Austrian?“ (zu meinem Freund) … Hihi … jawoll … das wärs ja. Die hilfreiche Assistentin murmelte peinlich betreten was von „nej, Värmland“ und dann haben wir auch schon zwei Formulare in die Hand gedrueckt bekommen. Ich sollte mir aussuchen als was ich einreiche. Ich hab dann das mit der „Partnerschaft“ genommen, wobei ich ehrlich gesagt aus dem Internet eine andere Version kannte. Mein schön verfasster Text bzgl. Partnerschaft war ueberhaupt nicht verlangt, ich habe ihn trotzdem beigelegt.

Hier die stundenlang bearbeiteten Papiere, kurz vor ihrem Weg auf die Tankstelle (wo zumindest der Värmländer seine Post aufgibt)

Was gibt es noch so zu berichten?

Ich habe ein Abendessen mit der ganzen schwedischen Familie meines Schatzes väterlicherseits hinter mir. Es war anstrengend.
Das fing an bei Nicht-wirklich-Opa Magnus, der nur deutsch reden wollte und den ich nicht verstand, ging weiter ueber Ex-Oma Elli, die eine so suesse und herzliche Person ist, mich aber nicht aufgehört hat wie ein Wasserfall auf schwedisch auszufragen und endete nicht bevor ich ein mehrgaengiges Menue verspeist und viele Fragen beantwortet habe, was ich hier machen will, wie ich mir das so vorstelle, etc. Begleitet von einer kleinen Panikattacke im nirgendwo festzusitzen mit dem Auto 3 km weit weg geparkt und vor lauter Bäumen keinen Himmel mehr sehend.

Unser Haus habe ich auch endlich gesehen, wenn auch von meterhohem Schnee fast begraben. Es ist ein Traum mit zu niedrigen Decken, zu kleinen Räumen und zu winzigen Fenstern … aber gut angelegt und wunderschön. Ich bin sicher wir werden ein wohliges Heim daraus machen mit viel Liebe und noch mehr Cash (… das wir erst einmal verdienen muessen)

Heute waren wir im Tapetenshop und haben Tapeten ausgesucht. Zwei von drei habe ich fotografiert.

Fuer die Kueche:

Und fuer eine Wand im Wohnzimmer:

Fuer das Esszimmer haben wir wirklich wundervoll orientalisch schwarze Tapeten ausgesucht, fuer die beiden Schmalwaende und so habe ich endlich die rote Elefantengrastapete aus dem Kopf meines Schatzes verdraengt *gesicht zieh*

Das war es jetzt eigentlich auch schon mit meinen Taten. Ein paar Tage habe ich noch hier und werde die schwedische Kaltluft geniessen, die eigentlich so frisch sein muesste (soviele Nadelbaeume hier stehen), die aber doch so seltsam parfumiert riecht …

So lege ich die Haende in den Schoss zurueck und warte … was denn nun als naechstes passiert.