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Schweden, oh Schweden!

Ich bin in Schweden angekommen und das schon vor rund 3 Wochen. Aber bis jetzt war soviel los das ich noch nicht zum schreiben gekommen bin.

Am 5. Mai ist mein Flugzeug gelandet, ganz ohne vulkanische Probleme oder Störungen. Am 6. Mai waren wirs sofort bei Skatteverket und beim Arbeitsförmeldingen, sprich beim schwedischen Arbeitsamt.  Ich nehme etwas in Anspruch, das sich Leistungsexport nennt. Man kann als EU Bürger ins EU Ausland auf Arbeitssuche gehen und 3 Monate seinen Arbeitslosenanspruch mitnehmen. Das Problem war nur, die Gesetze haben sich mit 1. Mai geändert und als Auswanderin mit 5. Mai war ich Österreichweit die Erste. Ich wusste 3 Tage vor meinem Flug noch immer nicht ob ich ausreisen kann. Mein Arbeitsamt war ratlos bezüglich der Gesetzesänderung. Alle notwendigen Formulare lagen in Brüssel zur Unterschrift, keiner kannte sich aus. Und ich hatte echt Stress damit, ganz nebenbei bin ich ausgezogen und habe noch Vollzeit gearbeitet. Sind wirs uns ehrlich – es war keine schöne Zeit für mich, ich habe mich nur noch gefühlt wie ein wandelnder Zombie und sogar in der Firma haben mich die Leute angesprochen, ob ich leicht neben mir stehe. Es war einfach eine Mischung aus Stress & Schlafmangel & Pack-Wahnsinn die da extrem aufeinander prallte.

Kurz und gut, ich habe mein benötigtes Leistungsexportformular am letzten Tag vor der Ausreise erhalten, mit der Auflage sich in den nächsten 7 Tagen in Schweden beim Arbetsförmedlingen zu melden und genauen Instruktionen, wie sich das schwedische Amt in Österreich zurück melden muss. Nämlich mit dem neuen Formular U009 auf die Anfrage von Österreich des Formulars U1 – das sind die neuen Bezichnungen!

Wir sind also gleich am 6. Mai los und haben erstmal beim Skatteverket eine Personnummer angefordert – dazu brauchte ich meine Aufenthaltsberechtigung vom Migrationsverket und meinen Pass und natürlich meine neue Adresse. Drei Wochen hieß es wird es dauern. Da ich aber ja Katgo kenne, die auch ausgewandert ist und bei der das alles viel schneller ging, war ich zuversichtlich. Dann zum Arbetsförmedlingen. Dort habe ich helle Aufregung verbreitet. Aber bevor ich davon schreibe, sei kurz erwähnt. Wir sprechen hier nicht von einem Arbeitsamt wie in Wien – kalt, grau – tausende oder zumindest hunderte Menschen in langen Schlangen. Wir sprechen von einem freundlichen, hellen Großraumbüro in dem lächelnde Jobcoaches herumstehen bei Stehtischen. Beratern die an einladenden Schreibtischen sitzen, auf die man einfach zugeht (viel war ja nicht los – wahrscheinlich weil man in Schweden auch viel per Internet machen kann) und die einen mit Vornamen ansprechen und dir auch ihren Vornamen nennen.

Aber zurück zur Aufregung. Auch in Karlstad war ich der erste Auswanderfall seit der neuen EU Erlassung in Brüssel. Es wurde sogar gemutmaßt ich sei Europaweit die Erste, aber naja … das glaube ich nicht. Sicher gabs irgendwo in der EU irgendwem der zwischen 1. und 4. Mai ausgewandert ist und so ziemlich das selbe wie ich mitgemacht hat. Jedenfalls mussten extra Spezialisten herangeholt werden die auf der EU Schulung waren. Meine Beraterin war nun „Anne-Catrin“ nagut. Das erste was man mir um die Ohren knallte war, ich könne mich nicht arbeitslos melden ohne Personnummer. Leichte Panik kam in mir hoch – ich musste mich doch innerhalb von 7 Tagen melden – sonst konnte ich mir meinen Arbeitslosenanspruch an den Hut stecken. Und da ich leider nicht mit einem Geldpolster nach Schweden gekomen bin, bin ich ziemlich angewiesen auf diese 3 Monate Arbeitslosengeld. Kurz und gut, Anne-Catrin hat meinem Arbeitsamt ein e-mail geschrieben, dass ich mich registriert hätte und das U009 ist heute als Kopie zu mir ins Haus geflattert. Das nenne ich unbürokratisch. Ob das U009 auch in Wien angekommen ist seh ich wohl am Monatsanfang, wenn das Arbeitslosengeld ausbezahlt werden soll. Ein schlechtes Gewissen Arbeitslosengeld zu bekommen habe ich ganz und gar nicht, schließlich habe ich jetzt jahrelang auch in die Arbeitslosenkassa einbezahlt. Ich rechne mich also quasi, lach. Und Geld bekomme ich ja im Ausland auch nur 3 Monate … leider nicht mehr.

Es gäbe da einen Trick … hat mir jemand bei der Landesregierung, zuständig für europäischen Leistungsexport verraten – aber diesen Trick behalte ich mir vor, falls ich ihn anwende und wenn er klappt – dann verrate ich ihn euch.

Achja …. meine Personnummer hat 2 Wochen gedauert, aber schließlich habe ich sie nun auch – und wie herrlich sie ist, Zahlendopplungen, einfach zu merken, wie für mich gemacht! Nun möchte ich mir eine ID-Kort – also eine ID Karte holen und am 7. Juni ist mein nächster Termin beim schwedischen Arbeitsamt mit Marlin (einer Dame) Bin ja mal gespannt was die mir zu sagen hat bezüglich Arbeitssuche.

Ansonsten ist von meiner ToDo Liste die ich in Österreich in den letzten Tagen noch erstellt habe kaum etwas übrig. Ich werde mein Auto schwedisch machen, das Ansuchen für Ursprungskontrolle ist der erste Schritt dabei. Mich kostet nur das Ansuchen dazu 1.300 Kronen, also rund 130 Euro. Eingereicht habe ich es schon, aber weggeschickt noch nicht (die Rechnung ist witzigerweise trotzdem schon da) da mir der Kaufvertrag im Original gefehlt hat zu den nötigen Unterlagen. Meine Mama hat selbiges in Kopie mit Originalstempel jetzt an mich per Post geschickt. Ein Original kann man nicht mehr bekommen und mein Kaufvertrag ist einfach so verschwunden … hust … hust.

Ansonsten habe ich die letzten Wochen hauptsächlich dazu genutzt Kisten auszupacken, Möbel aufzustellen, Kleidung einzuräumen und für alle meine Sachen einen neuen Platz zu suchen. Außerdem sind wir wie wild durch Ikea und andere Möbelhäuser gejoggt um all die Kleinigkeiten zu kaufen an die vorher keiner gedacht hat. Dabei muss ich sagen, da wir jetzt von einem Gehalt leben, haben wir viel Sprit verfahren und im Endeffekt wenig gekauft.

Mein Ansuchen bei Komvux für einen SFI – Svenska för Invandrare Kurs habe ich auch schon abgeschickt, jetzt wo ich meine Personnummer habe und warte jeden Tag inständig auf Antwort. Das wäre eine sehr willkommene Abwechslung für mich und naja, es ist auch langsam ein wenig unangenehm dauernd „jag inte pratar svenska“ („ich spreche kein schwedisch“) von sich zu geben, sobald man angesprochen wird. Witzigerweise habe ich entdeckt, das manche Bankomat-Zahl-Geräte eine Englisch Taste haben, juhuuuu.

Anbei hänge ich noch zusammenhanglos ein paar Bilder vom neuen Zu Hause an, für diejenigen die es interressiert.

Vor unserem Haus liegt ein wunderschöner ….

Sogar ich als Anti-Naturmensch habe letztens einen Spaziergang zum Ufer gewagt …

Alte Möbeln ganz neu … hier meine alten Wiener Möbel integriert in EHEMALIGEN schwedischen Landhausstil …

Waschen auf schwedisch … gut das man sich das wichtigste auf unserer neuen Waschmaschine zusammenreimen kann ..

Und unser neues Klo … endlich nach 4 Wochen motzen ist es gestern eingebaut worden weil ich mich geweigert habe das alte zu putzen – ich verschweige euch jetzt einfach mal den Zustand.
Viel witziger ist eigentlich, dass sich die Schweden darüber kaputt lachen das wir „Österreicher“ beim … wie sag ich das jetzt … sich selbst erleichtern, auf eine kleine Stufe „machen“ und das ganze
dann erst runterspülen.  Das sorgte für Lachkrämpfe in kleiner Runde. Ich hingegen bin abgeturnt von der schwedischen Toilettenstruktur wo man direkt ins „Loch“ macht … aber nagut … man
nimmt die „örtlichen“ Gegebenheiten wie sie sind. 😉

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Während in Österreich die ersten Knospen erbluehen …

… ist es in Schweden noch tiefster Winter.  Hier ein Bild, welches ich gestern geschossen habe, nicht fern von meinem neuen zu Hause.

Jaaaaaaaaaaa genau so abgelegen *lach* oder zumindest fast. Wir wohnen waahnsinnige 5 Minuten von dort weg. Und ich bin noch immer hin und hergerissen zwischen Schock und Zauber. Ist es nun bedrueckende Einöde, auf die mein Auge blickt, oder bezaubernde Natur? Die angeheiratete Ex-Oma meines Freundes hat gestern erzaehlt, sie wohnte 10 Jahre dort wo wir nun hinziehen werden. Im Sommer wäre es ein Segen und im Winter ein Fluch. So ca. kann ich mir das auch vorstellen – aber nicht nur Svedenäs (unseren Ort) sondern ganz Mittelschweden. Soll es doch zur Winterzeit schon am fruehen Nachmittag dunkel werden.

Wie ihr schon mitbekommen habt, ja ich bin gerade in Schweden und am meisten vermisse ich im Moment gerade meine deutsche Tastatur – ich haemmere immer aufs y statt aufs z und auch umgekehrt. Und mit den Umlauten finde ich mich noch gar nicht zurecht … äåöå ….

Erledigt haben wir schon einiges. Gestern waren wir beim Migrationsverket in Karlstad und auch gleich beim Skatteverket. Leider konnte mir das Skatteverket kaum noch Auskunft geben wie das einmal mit Meldung und Versicherung aussehen wird, aber zumindest haben wir ohne Probleme den Personbevis bekommen, den mein Schatz fuer mein Ansuchen beim Migrationsverket braucht.

Am Migrationsverket war es lustig, mein Freund hat gesprochen und ein hektischer Mitarbeiter der nur mit halben Ohr zuhörte, fragte „You are Austrian?“ (zu meinem Freund) … Hihi … jawoll … das wärs ja. Die hilfreiche Assistentin murmelte peinlich betreten was von „nej, Värmland“ und dann haben wir auch schon zwei Formulare in die Hand gedrueckt bekommen. Ich sollte mir aussuchen als was ich einreiche. Ich hab dann das mit der „Partnerschaft“ genommen, wobei ich ehrlich gesagt aus dem Internet eine andere Version kannte. Mein schön verfasster Text bzgl. Partnerschaft war ueberhaupt nicht verlangt, ich habe ihn trotzdem beigelegt.

Hier die stundenlang bearbeiteten Papiere, kurz vor ihrem Weg auf die Tankstelle (wo zumindest der Värmländer seine Post aufgibt)

Was gibt es noch so zu berichten?

Ich habe ein Abendessen mit der ganzen schwedischen Familie meines Schatzes väterlicherseits hinter mir. Es war anstrengend.
Das fing an bei Nicht-wirklich-Opa Magnus, der nur deutsch reden wollte und den ich nicht verstand, ging weiter ueber Ex-Oma Elli, die eine so suesse und herzliche Person ist, mich aber nicht aufgehört hat wie ein Wasserfall auf schwedisch auszufragen und endete nicht bevor ich ein mehrgaengiges Menue verspeist und viele Fragen beantwortet habe, was ich hier machen will, wie ich mir das so vorstelle, etc. Begleitet von einer kleinen Panikattacke im nirgendwo festzusitzen mit dem Auto 3 km weit weg geparkt und vor lauter Bäumen keinen Himmel mehr sehend.

Unser Haus habe ich auch endlich gesehen, wenn auch von meterhohem Schnee fast begraben. Es ist ein Traum mit zu niedrigen Decken, zu kleinen Räumen und zu winzigen Fenstern … aber gut angelegt und wunderschön. Ich bin sicher wir werden ein wohliges Heim daraus machen mit viel Liebe und noch mehr Cash (… das wir erst einmal verdienen muessen)

Heute waren wir im Tapetenshop und haben Tapeten ausgesucht. Zwei von drei habe ich fotografiert.

Fuer die Kueche:

Und fuer eine Wand im Wohnzimmer:

Fuer das Esszimmer haben wir wirklich wundervoll orientalisch schwarze Tapeten ausgesucht, fuer die beiden Schmalwaende und so habe ich endlich die rote Elefantengrastapete aus dem Kopf meines Schatzes verdraengt *gesicht zieh*

Das war es jetzt eigentlich auch schon mit meinen Taten. Ein paar Tage habe ich noch hier und werde die schwedische Kaltluft geniessen, die eigentlich so frisch sein muesste (soviele Nadelbaeume hier stehen), die aber doch so seltsam parfumiert riecht …

So lege ich die Haende in den Schoss zurueck und warte … was denn nun als naechstes passiert.