the window to my life

… ist der Patriotismus. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Ich bin in eine Welt geboren, zwischen zwei Kulturen und so bin ich in Österreich aufgewachsen. Wenn man bei uns auf einer Bomberjacke die österreichische Flagge sieht …. schleeeecht, ganz schlecht – Strassenseite wechseln. Wenn man bei uns in einem Auto die Österreichische Flagge sieht, schleeeecht, ganz schlecht … sicher ein Rechter. Wenn man bei uns aus dem Fenster eine österreichische Flagge sieht, furchtbar schlecht, viel schlimmer geht es eigentlich nur wenn die Burschenschaften die deutsche Flagge hissen, das ist schon sowas wie eine Ohrfeige in das Gesicht jeden Sozialdemokraten in Österreich. Schon bei der EM vor 2 Jahren war dieser Trend mit den Autofahnen seltsam fuer mich, ich konnte nicht verhindern das sich mein Bauch jedes mal zusammengezogen hat wenn ich das gesehen habe. Nach der EM hat die Polizei die Beflaggung von Privateigentum wieder verboten … und mir ging es bedeutend besser. Wer noch beflaggt hatte …. den habe ich auch entsprechendes Blickes gewuerdigt. Wer hisst denn bitte die Flagge einfach so? Ohne Feiertag?

Hier in Schweden muss ich völlig umdenken. Nicht nur das in ALLEN Midsommar Rezepten die ich gelesen habe steht das alles schwedisch sein muss, damit der Schwede gluecklich ist (Schwedischer Hering, Schwedische Erdbeeren, Schwedische „Färsk Potatis“) nein auch jedes unserer Nachbarhaeuser ist beflaggt.

Man mag es nicht glauben unsere Nachbarn haben wirklich meterhohe Fahnenmaste im Garten stehen, nur um die schwedische Flagge tagaus, tagein gehisst zu haben. Und weil das nicht genuegt ist auch noch ein kleines Steckerl an der Hausmauer angebracht wo die Miniaturversion der Schwedenflagge weht. „Ist das rassistisch?“ habe ich meinen Freund gefragt „ach nein“ war die Antwort. Nagut …. der Schwede ist halt ein alter Patriot. Das merke ich schon an meinem Freund, der ungläubig ist das ich mich nicht scheue belgische Erdbeeren zu kaufen, österreichische Suppenwuerfel zu verwenden und davon spreche das ich auch alte, gelbe Kartoffeln gerne esse und das es nicht die viel geliebten, kalorienarmen „färsk potatis“ sein muessen. Auch das ich schon jetzt plane was ich in Ö im September nachkaufen will bringt ihn zu einem Kopfschuetteln und vielleicht hat er recht, vielleicht bin ich ganz ohne eine einzige Flagge zu hissen, auch sehr viel Patriot und meine österreichischen Putzmittel, Hautcremen und Kochgewuerze sind eben das Äquivalent zu färsk potatis und svensk jordgubbar (schwedische Erdbeeren).

Die ganze Woche streiten sich die Zeitungen schon „wird es schwedische Erdbeeren zu Midsommar geben?“ und oh Schreck, oh Graus … daneben ein Bild von gruenen, unreifen Erdbeeren – die Nation bangt um das Fest … *weglach*
Und gestern … die Erdbeerverkaeuferin vorm Supermarkt steht da wie jeden Tag und ich gucke und sage zu meinem Freund – „schau mal, die Erdbeeren sind 10 Kronen teurer geworden“ und da schaue ich nochmal und neben mir leuchten zwei glueckliche Jungenaugen auf …. auf dem Schild steht „svensk jordgubbar“ …. 45 Kronen pro Tasse …. Naja was bleibt mir uebrig als meinem Schatz eine Tasse zu kaufen? Aber erst nach dem Einkauf denke ich mir, ich wollte ihn ueberraschen. Als wir den Supermarkt wieder verlassen … fallen mir die Augen aus dem Kopf. Wo vorher mindestens 30 Tassen Erdbeeren standen, war jetzt nichts …. das letzte Tatzerl wurde gerade verkauft. Tja … sagte mein Freund niedergeschlagen: Die Schweden mögen eben Erdbeeren …. „Schwedische Erdbeeren“ fuege ich im Kopf hinzu und sage nichts. Ich glaube … ich werde mich gleich anziehen und auf die Jagd nach welchen gehen … vielleicht kann ich ihn ja nach der Arbeit ueberraschen, lach.

Ueber Midsommar spricht jeder … vorallem auf dem Land …. wir haben versucht eine Party zu organisieren, waren aber zu spaet drann … jeder hatte einfach schon etwas vor. Jetzt …. werden wir einfach mit den Nachbarn feiern schaetze ich. Mein Schatz meint solang man Schnaps mitbringt kann man ueberall mitfeiern. Als dazupassendes Bildmaterial empfehle ich auf Links-Katgos Auswandererblog zu klicken und sich das Video zum schwedischen Midsommar anzugucken, lach.

Liebe Gruesse vom Schwedischen Land – bis bald!

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Nachdem ich gerade einen nachmittag schwedische Gartenarbeit hinter mir habe und mir die Arme schmerzen, brauch ich mal bissl Abwechslung und möchte von meinen Erlebnissen bezüglich schwedischen Arztbesuch erzählen. Ich kann keine großen Reden schwingen über das ganze schwedische System, nur meine eigenen Erfahrungen wiedergeben.

Leider hat es sich ergeben, dass ich die Notdurft nach einen Arzt habe – gynäkologischer Natur, habe ich ein Problem was mir und meiner Familie der ich mich anvertraut habe Rätsel aufgibt. Ich habe mit meinem Gynäkologen in Österreich e-mail Kontakt gehabt und der hat mir mal 10 Tage Anitibiotika verschrieben, als noch immer keine Besserung in Sicht war, war klar – ich muss in Schweden zum Arzt. Meine Begeisterung lies erstmal zu wünschen übrig, das Unbekannte schreckt mich doch noch und dann vorallem mit so einem heiklen Thema. Mein Freund ist zwar Schwede, aber bei solchen Sachen hat er auch keinen Plan – man hat nicht die freie Arztwahl – man geht mit allem ins Krankenhaus habe ich mir sagen lassen. Mein Freund hat also erstmal im Krankenhaus auf der Gynäkologie angerufen, dort wurden wir in die nächste Vårdcentral  (so eine Art medizinischem Care Center) geschickt – wir sollen uns dort eine Überweisung für die gynäkologische Abteilung holen. Wir also in die nächste Vårdcentral am nächsten Tag, dort hat man uns weggeschickt – wir sind falsch – wir gehören zu einem anderen Bezirk. Meine Mutter in Wien hat schon gestrampft vor ungeduld und geschimpft und ich kann ihren Unmut teilen – in Österreich wird man prinzipiell nicht weggeschickt wenn man ein medizinisches Anliegen hat – ein glattes Minus für Schweden in meinen Augen. Wir wurden nach „Kronoparken“ verwiesen. Da es schon Abends war und die Vårdcentral nur bis 17 Uhr offen hat mussten wir heimfahren. Mein Freund hat am nächsten Tag in Kronoparken angerufen, nein auch da waren wir falsch. Da wir am Land wohnen zwischen zwei Städten stellte sich heraus wir waren in der ganz falschen Stadt – wir mussten nach Molkom in die Vårdcentral fahren. Am nächsten Tag (genauergesagt letzten Dienstag) also dorthin … es war NICHTS los – das ist ein glattes Plus. Wie überall in Schweden musste man eine Nummer ziehen, nur das die Nummer die wir zogen bereits am Display stand. Nur die Rezeptionistin war nicht da – dafür konnte man eine Glocke ringeln und die Dame erschien. Ich war ein bissi verunsichert, da ich ja durch den Leistungsexport noch über Österreich versichert war und nicht genau wusste ob die europäische Krankenversicherungskarte ohne Umschweife akzeptiert wird – aber der Rezeptionistin war das so egal. Die hat die Karte nichtmal angeguckt, nur meine Personnummer eingegeben – 150 Kronen Praxisgebühr kassiert und wir wurden gebeten zu warten. Das ist ein weiteres Minus für mich in Schweden. Praxisgebühr … sowas haben wir in Österreich nicht, gelobt sei die E-Card. Ich weiß auch das die Schweden 100 Euro pro Monat zahlen müssen für die internationale Versicherungskarte – mein Freund hat sich das mal machen lassen – wir haben die einfach hinten auf der E-Card drauf. Also Ösis … kein Beschweren über die pleite Krankenkasse ab jetzt mehr :p

Nach kurzem warten wurden wir von einem viel zu jung aussehnden Arzt in ein Zimmer gebeten – er redete auch englisch. Ich trug also mein Anliegen vor und dann musste ich mich teils nackig machen. Äh ja … einfach so ohne Kabine und mit meinem Freund neben mir sitzend. Das kenne ich aber von Ösi-Gyns anders, aber egal, man will ja nicht prüde wirken, also habe ich halt Haut gezeigt. Dann auf einmal meinte er – er will mal mit seinem Kollegen Rücksprache halten, der ist Gynäkologe …. urghs … wieso zieh ich mich eigentlich vor dem aus wenn das gar kein Gyn ist? LACH … nagut …. RÄUSPER …. der viel zu junge Arzt ist also abmarschiert und mein Freund und ich saßen bedröppelt da -wir dachten wir kriegen hier einfach nur ne Überweisung, aber nagut.

Der Arzt kam zurück und fragte mich so ca. 100 Mal ob ich schwanger sein könnte – was ich verneinte. Geglaubt hat er mir nicht, wollten nen Schwangerschaftstest machen und einen Hormonstatus, aber nicht mehr heute – das musste man am Vormittag machen – und da musste mein Freund arbeiten, ich musste also ganz alleine nochmal dorthin. Am nächsten Tag mit Navi ausgestattet habe ich mich auf den Weg gemacht und ich muss  sagen es war ein scheiß Gefühl dort zu sein ohne die nötigen Sprachkenntnisse – mit der Rezeptionistin habe ich mich mehr schlecht als recht verständigt und ich wusste nicht soll ich warten, soll ich weitergehen – da kein anderer Patient da war konnte ich mir nix abschauen – es war gähnende Leere, ich war der einzige Patient dort. Ich beschloss, wenn ich mehr als ne halbe Stunde hier saß und ignoriert werden würde, dann würde ich einfach mal den Gang weiter entlang gehen und gucken. Es gab viele Infoschilder an den Wänden, von denen ich kein einziges lesen konnte … ich verfluchte mal wieder das Komvux … bis jetzt hat sich kein Schwein auf mein Ansuchen auf den Sprachkurs SFI gemeldet – seufz.

Dann kam endlich eine Schwester und ruf mich auf … mit Vornamen … eh klar. Ob ich mich an das je gewöhnen werde? Das Blutabnehmen und in den Becher pinkeln ging rasch, dazu braucht man ja auch nichts verstehen. Gott sei Dank gibt es immer wieder Schweden die sich freuen englisch zu reden, so auch die Schwester. Ich glaube das Lager der Verweigerer und der „Freuer“ ist ca. 50/50 geteilt.

Nachdem alles geschafft war, war ich richtig fröhlich … nur … der nächste Termin für die Ergebnisse ist erst jetzt kommenden Dienstag – also genau 7 Tage dazwischen. Das finde ich persönlich sehr lange …. ich mein …. der Arzt sagte mir meine möglichen Diagnosen liegen irgendwie zwischen Tumor an einer Hormondrüse im Hirn und einfache stressbedingte Hormonstörung … wer will auf solche Ergebnisse 7 Tage warten? In Wien wenn ich ins Blutlabor marschier mit einer Überweisung in der Früh, ruf ich am Nachmittag an und lass mir meine Ergebnisse durchsagen. Aber ich gebe nicht Schweden die schuld dafür, ich denk mir, wenn man heimisch ist, dann weiß man sich viel besser zu helfen, weiß man besser wo man hingeht, wie man sich durchsetzt, traut man sich vielleicht auch eher Einspruch gegen so lange Wartezeiten erheben. Mein Freund ist ja nun leider auch nicht versiert bei dem Thema und schwedische Freundinnen habe ich leider keine … naja … mal schauen am Dienstag wie es weiter geht und ich hoffe ich kann vielleicht ein paar potenziellen Auswanderern mal in Zukunft was ersparen an herumgerenne und herumtelefonieren – lach.

Nun glaub ich muss ich mir das Gras von den Füßen waschen gehen … bitte haltet mir die Daumen, morgen ist mein zweiter Termin beim Arbeitsamt – mit Marlin … und ich muss da auch alleine hin da mein Freund arbeitet – so langsam nable ich mich ab *g*

Schweden, oh Schweden!

Ich bin in Schweden angekommen und das schon vor rund 3 Wochen. Aber bis jetzt war soviel los das ich noch nicht zum schreiben gekommen bin.

Am 5. Mai ist mein Flugzeug gelandet, ganz ohne vulkanische Probleme oder Störungen. Am 6. Mai waren wirs sofort bei Skatteverket und beim Arbeitsförmeldingen, sprich beim schwedischen Arbeitsamt.  Ich nehme etwas in Anspruch, das sich Leistungsexport nennt. Man kann als EU Bürger ins EU Ausland auf Arbeitssuche gehen und 3 Monate seinen Arbeitslosenanspruch mitnehmen. Das Problem war nur, die Gesetze haben sich mit 1. Mai geändert und als Auswanderin mit 5. Mai war ich Österreichweit die Erste. Ich wusste 3 Tage vor meinem Flug noch immer nicht ob ich ausreisen kann. Mein Arbeitsamt war ratlos bezüglich der Gesetzesänderung. Alle notwendigen Formulare lagen in Brüssel zur Unterschrift, keiner kannte sich aus. Und ich hatte echt Stress damit, ganz nebenbei bin ich ausgezogen und habe noch Vollzeit gearbeitet. Sind wirs uns ehrlich – es war keine schöne Zeit für mich, ich habe mich nur noch gefühlt wie ein wandelnder Zombie und sogar in der Firma haben mich die Leute angesprochen, ob ich leicht neben mir stehe. Es war einfach eine Mischung aus Stress & Schlafmangel & Pack-Wahnsinn die da extrem aufeinander prallte.

Kurz und gut, ich habe mein benötigtes Leistungsexportformular am letzten Tag vor der Ausreise erhalten, mit der Auflage sich in den nächsten 7 Tagen in Schweden beim Arbetsförmedlingen zu melden und genauen Instruktionen, wie sich das schwedische Amt in Österreich zurück melden muss. Nämlich mit dem neuen Formular U009 auf die Anfrage von Österreich des Formulars U1 – das sind die neuen Bezichnungen!

Wir sind also gleich am 6. Mai los und haben erstmal beim Skatteverket eine Personnummer angefordert – dazu brauchte ich meine Aufenthaltsberechtigung vom Migrationsverket und meinen Pass und natürlich meine neue Adresse. Drei Wochen hieß es wird es dauern. Da ich aber ja Katgo kenne, die auch ausgewandert ist und bei der das alles viel schneller ging, war ich zuversichtlich. Dann zum Arbetsförmedlingen. Dort habe ich helle Aufregung verbreitet. Aber bevor ich davon schreibe, sei kurz erwähnt. Wir sprechen hier nicht von einem Arbeitsamt wie in Wien – kalt, grau – tausende oder zumindest hunderte Menschen in langen Schlangen. Wir sprechen von einem freundlichen, hellen Großraumbüro in dem lächelnde Jobcoaches herumstehen bei Stehtischen. Beratern die an einladenden Schreibtischen sitzen, auf die man einfach zugeht (viel war ja nicht los – wahrscheinlich weil man in Schweden auch viel per Internet machen kann) und die einen mit Vornamen ansprechen und dir auch ihren Vornamen nennen.

Aber zurück zur Aufregung. Auch in Karlstad war ich der erste Auswanderfall seit der neuen EU Erlassung in Brüssel. Es wurde sogar gemutmaßt ich sei Europaweit die Erste, aber naja … das glaube ich nicht. Sicher gabs irgendwo in der EU irgendwem der zwischen 1. und 4. Mai ausgewandert ist und so ziemlich das selbe wie ich mitgemacht hat. Jedenfalls mussten extra Spezialisten herangeholt werden die auf der EU Schulung waren. Meine Beraterin war nun „Anne-Catrin“ nagut. Das erste was man mir um die Ohren knallte war, ich könne mich nicht arbeitslos melden ohne Personnummer. Leichte Panik kam in mir hoch – ich musste mich doch innerhalb von 7 Tagen melden – sonst konnte ich mir meinen Arbeitslosenanspruch an den Hut stecken. Und da ich leider nicht mit einem Geldpolster nach Schweden gekomen bin, bin ich ziemlich angewiesen auf diese 3 Monate Arbeitslosengeld. Kurz und gut, Anne-Catrin hat meinem Arbeitsamt ein e-mail geschrieben, dass ich mich registriert hätte und das U009 ist heute als Kopie zu mir ins Haus geflattert. Das nenne ich unbürokratisch. Ob das U009 auch in Wien angekommen ist seh ich wohl am Monatsanfang, wenn das Arbeitslosengeld ausbezahlt werden soll. Ein schlechtes Gewissen Arbeitslosengeld zu bekommen habe ich ganz und gar nicht, schließlich habe ich jetzt jahrelang auch in die Arbeitslosenkassa einbezahlt. Ich rechne mich also quasi, lach. Und Geld bekomme ich ja im Ausland auch nur 3 Monate … leider nicht mehr.

Es gäbe da einen Trick … hat mir jemand bei der Landesregierung, zuständig für europäischen Leistungsexport verraten – aber diesen Trick behalte ich mir vor, falls ich ihn anwende und wenn er klappt – dann verrate ich ihn euch.

Achja …. meine Personnummer hat 2 Wochen gedauert, aber schließlich habe ich sie nun auch – und wie herrlich sie ist, Zahlendopplungen, einfach zu merken, wie für mich gemacht! Nun möchte ich mir eine ID-Kort – also eine ID Karte holen und am 7. Juni ist mein nächster Termin beim schwedischen Arbeitsamt mit Marlin (einer Dame) Bin ja mal gespannt was die mir zu sagen hat bezüglich Arbeitssuche.

Ansonsten ist von meiner ToDo Liste die ich in Österreich in den letzten Tagen noch erstellt habe kaum etwas übrig. Ich werde mein Auto schwedisch machen, das Ansuchen für Ursprungskontrolle ist der erste Schritt dabei. Mich kostet nur das Ansuchen dazu 1.300 Kronen, also rund 130 Euro. Eingereicht habe ich es schon, aber weggeschickt noch nicht (die Rechnung ist witzigerweise trotzdem schon da) da mir der Kaufvertrag im Original gefehlt hat zu den nötigen Unterlagen. Meine Mama hat selbiges in Kopie mit Originalstempel jetzt an mich per Post geschickt. Ein Original kann man nicht mehr bekommen und mein Kaufvertrag ist einfach so verschwunden … hust … hust.

Ansonsten habe ich die letzten Wochen hauptsächlich dazu genutzt Kisten auszupacken, Möbel aufzustellen, Kleidung einzuräumen und für alle meine Sachen einen neuen Platz zu suchen. Außerdem sind wir wie wild durch Ikea und andere Möbelhäuser gejoggt um all die Kleinigkeiten zu kaufen an die vorher keiner gedacht hat. Dabei muss ich sagen, da wir jetzt von einem Gehalt leben, haben wir viel Sprit verfahren und im Endeffekt wenig gekauft.

Mein Ansuchen bei Komvux für einen SFI – Svenska för Invandrare Kurs habe ich auch schon abgeschickt, jetzt wo ich meine Personnummer habe und warte jeden Tag inständig auf Antwort. Das wäre eine sehr willkommene Abwechslung für mich und naja, es ist auch langsam ein wenig unangenehm dauernd „jag inte pratar svenska“ („ich spreche kein schwedisch“) von sich zu geben, sobald man angesprochen wird. Witzigerweise habe ich entdeckt, das manche Bankomat-Zahl-Geräte eine Englisch Taste haben, juhuuuu.

Anbei hänge ich noch zusammenhanglos ein paar Bilder vom neuen Zu Hause an, für diejenigen die es interressiert.

Vor unserem Haus liegt ein wunderschöner ….

Sogar ich als Anti-Naturmensch habe letztens einen Spaziergang zum Ufer gewagt …

Alte Möbeln ganz neu … hier meine alten Wiener Möbel integriert in EHEMALIGEN schwedischen Landhausstil …

Waschen auf schwedisch … gut das man sich das wichtigste auf unserer neuen Waschmaschine zusammenreimen kann ..

Und unser neues Klo … endlich nach 4 Wochen motzen ist es gestern eingebaut worden weil ich mich geweigert habe das alte zu putzen – ich verschweige euch jetzt einfach mal den Zustand.
Viel witziger ist eigentlich, dass sich die Schweden darüber kaputt lachen das wir „Österreicher“ beim … wie sag ich das jetzt … sich selbst erleichtern, auf eine kleine Stufe „machen“ und das ganze
dann erst runterspülen.  Das sorgte für Lachkrämpfe in kleiner Runde. Ich hingegen bin abgeturnt von der schwedischen Toilettenstruktur wo man direkt ins „Loch“ macht … aber nagut … man
nimmt die „örtlichen“ Gegebenheiten wie sie sind. 😉

Also ich muss sagen es ist schon ein seltsames Gefühl. Ich mache gerade Termine für Bewerbungsgespräche bezüglich meiner eigenen Stelle. Und was einem die Bewerber so erzählen oder wie sie sich so anstellen, da bleibt einem der Mund offen stehen … mir zumindest.

– Die eine will gar nicht kommen, wenn sie nicht mindestens 3.300 verdient – soll mal eben zum Chef reingehen und nachfragen, sonst verschwendet sie ihre Zeit gar nciht
– Die andere will sich nicht extra bei der Firma freinehmen und nur nen Abendtermin (wenn ich mich da erinner was ich bei der alten Firma auf mich genommen habe an gefakten Arztterminen, etc.)
– Die nächste ist schon woanders in der engeren Wahl und will nur kommen wenn die absagen ….

Ach Gott *ans hirn schlag* also die Wirtschaftskrise muss in Österreich schon vorbei sein wirklich …. und die Gehaltsvorstellungen, wenn ich mir da denke das ich persönlich mit meinen schon total in die Knie gehen würde, nur um eine Chance in Schweden bekommen zu können.

Huhu,

also ich bin wieder viel optimistischer. Ich glaub ich hatte nur nen kurzen Hormonschub, oder so 🙂

Vorallem seitdem die Renovierung unseres Hauses immer mehr fortschreitet, freu ich mich immer mehr und mehr. Auch bezüglich Job seh ich nun alles positiver. In der Firma ist es noch sehr sehr stressig – aber naja, ich nehms gelassen – irgendwann ist der Arbeitsstress auch erstmal vorbei.

Bezüglich dem Job bei dem ich mich beworben habe – am Samstag ist die Bewerbungsfrist vorbei und nachher werden Sie sich melden, oder auch nicht. Ich hibbel also ganz gespannt auf Montag, halte den Kopf hoch und denke mir das ich den Job kriegen muss, weiterhin 🙂

Nun zu unserem Haus, möchte einmal Videos und Bilder zeigen.

Hier von März 2010 vor der Renovierung:

Und nun was mein Schatz neben seiner Montage in Norwegen noch geleistet hat in den letzten zwei Wochen. Bin wirklich soooooooooo begeistert, stolz und freue mich schon richtig auf den Einzug:

Zum Abschluss noch der Link zu Youtube vorher, ein Nachhervideo wird dann im Mai gemacht mit meinen Möbeln *strahl* leider dreh ich die Kamera wie blöde …. und es wackelt … ist halt n wirkliches Privatvideo und auch eig. nicht zur Veröffentlichung geplant – aber unseren ganzen Stolz *lach* muss ich nu auch herzeigen in der VORHER Version.

Diese Woche habe ich sehr viele Termine offen, auch noch bzgl. Wohnung und leider auch etwaige Kosten wegen Reparaturen die ich in der Wohnung machen muss *augenroll*

Heute ist der Gasherd gerichtet worden EUR 76,- morgen bin ich bei der Bank wegen meinem Kredit, und der Elektriker kommt auch um einen Kostenvoranschlag für die Elektroarbeiten zu machen *nochmal augenroll*

Dann habe ich heute noch Nachtarbeit in der Firma, EWM Tests, bin schon gespannt wie das wird ………

Das ist die Frage … wie ist das. Öffnet sich immer eine neue Tür, wenn eine andere zugeht? Im Moment kommt es mir nicht so vor. Ich habe grade einen riesen Motivationsdämpfer bekommen und es ist, wie wenn jemand dir gegen den Brustkorb schlägt und dir alle Luft schmerzhaft aus den Lungen entweicht.

Ich habe gerade bei der schwedischen Firma angerufen, bei der ich mich um die deutsche Position im Call Center beworben habe. Ich habe lang hin und her überlegt, wollte aber einfach wissen ob meine Unterlagen angekommen sind. Antwort habe ich keine bekommen, die deutschsprachige Dame hatte dort keinen Zugriff darauf, aber gesagt hat sie mir schon was. Nämlich das sie gehört hat, dass außerordentlich viele Bewerbungen eingegangen sind. Ich war schon verwundert. Ich weiß nicht soviel über die Wirtschaftslage in Schweden. Ist die Situation so verzweifelt, dass sich die Leute erschlagen einen Job für eine 6 Monate Befristung zu bekommen? Und sind soviele Schweden gewandt in Deutsch? Die Schweden die ich bis jetzt getroffen haben, sprechen kaum oder sehr schlechtes Schuldeutsch.

Anyway … Anyhow hat mich das total demotiviert. Wieso sollten sie gerade mich nehmen? Die Olle aus Österreich die nichtmal gescheit Schwedisch spricht? Weil ich Muttersprachlerin bin? Hoffentlich! Aber wer weiß wie viele Deutsche dort auf ihre Chance harren. Es ist eine 58.000 Einwohner Stadt, für mich ist das – wie wir österreichischen Hauptstädter sagen würden – „ein Spuckdreckerl“ … aber die städtische Versnobtheit kann ich wohl mit meinen anderen Habseeligkeiten in die Umzugskisten packen und am Weg verlieren … es scheint als habe ich Värmland eindeutig unterschätzt und als würde sich die Arroganz gerade bei mir rächen.

Es tut mir weh zu sehen, wie ungern man mich in meiner jetzigen Firma gehen lässt und was ich da eintauche für die Hausfrauentätigkeit. Es tut mir wirklich zutiefst weh, wie sehr ich meine Kollegen missen werde – wie sehr ich doch jetzt das Gefühl habe, dass meine Arbeit hier geschätzt wird und wie unbedeutend ich am Arbeitsmarkt in Schweden bin. Kann ich mir doch meinen mühsam abgetippten englischen Lebenslauf an den Hut stecken und all meine schwärmenden deutschen Dienstzeugnisse.

Ich wünschte, ich könnte mir eine Scheibe Optimismus von jemanden abschneiden. 😦

Nun geht es Schlag auf Schlag

– meine Wohnung ist verkauft bzw. die Weitergabe ist vereinbart – nur einige Befunde bin ich noch schuldig
– mein Dienstverhältnis wird offiziell aufgelöst – alle Kollegen wissen Bescheid (was hab ich geheult gestern als es endlich raus war)

– und das wichtigste ….. das sind gleich zwei Dinge!

1. ) Ich habe uppehållstillstånd also Aufenthaltsrecht bis 10. März 2012 bekommen.

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Das ist einfach ein wundervolles Gefühl. Mein Schatz war jetzt ne Woche in Norwegen arbeiten und als er gerade heimkam, lag der Brief im Briefkasten. Unsere Partnerschaft ist als „seriös“ bezeichnet und ich darf mich zwei Jahre lang im Land befinden. Das nächste was ansteht ist jetzt also meine ganzen Verträge kündigen und dem Umzug steht dann nichts mehr im Weg …. *arme in die luft schmeiß*

Jetzt muss ich nur noch rausfinden, ob ich einen Sticker in meinen Pass brauche, oder so?!

2. ) Ich habe doch tatsächlich einen Job in Aussicht, wer hätte das gedacht? Eine liebe Bekannte aus dem Internet, die ich schon erwähnt hatte hier an anderer Stelle und die alles was ich vor mir habe, schon hinter sich hat (sie ist Anfang des Jahres von Hamburg nach Schweden zu ihrem Schatz ausgewandert) hat mir eine Jobanzeige aus Karlstad für eine deutsche Call-Center Mitarbeiterin geschickt.

Das ist einfach der Wahnsinn! Erstens die Möglichkeit mit meiner Kommunikationsstärke in Deutsch in Schweden zu arbeiten (obwohl der Job leider auf 6 Monate befristet ist – ist eine Mutterschaftsvertretung) und dann … sind wir es uns ehrlich … wer ist heutzutage so selbstlos und nett und tut soetwas? Sie hat mir geschrieben sie war auf Jobsuche, hat sich in der Stadt verklickt und hatte quasi das Jobangebot vor sich und hat an mich gedacht. Wer ist so nett in der heutigen Zeit? Wäre die normale Reaktion nicht das Angebot enttäuscht zuzuklicken, weil es nichts für einen selbst ist? Ich weiß es nicht, ich weiß nicht was ich getan hätte, ich weiß nur das ich meine ganzen Hoffnungen und Träume in dieses Jobangebot setze und das ich so unheimlich dankbar bin.

Ich rief gleich am nächsten Tag bei der Firma an und stellte 3 Fragen an die deutsche Mitarbeiterin:

1.) Braucht man schwedisch für den Job?
Antwort: Sie brauchen dahingehend schwedisch, da die Arbeitskollegin nur schwedisch sprechen.
Merkpunkt: Ich dachte vorher die ganze Firma wäre deutsch, aber es scheint das eine Einzelperson die deutschen Kunden bearbeitet und diese jetzt in Mutterschutz geht für 6 Monate.

2.) In welcher Sprache soll ich meine Unterlagen schicken? Deutsch, Englisch, Schwedisch?
Antwort: schwedisch
Merkpunkt: Nach deutsch hatte ich dahingehend gefragt, da ich von Grund an dachte, es handelt sich vielleicht um eine deutsche Geschäftsführung und da deutsch so ausdrücklich gewünscht war, dachte ich mit dem könnte man vielleicht sogar noch auftrumpfen. Nachdem ich hörte in schwedisch, schnürte sich mir der Hals zu … das konnte ich doch gar nicht schaffen, mein schwedisch ist nicht annähernd so gut.

3.) Ab wann wäre die Dienststelle zu besetzen?
Antwort: Sommer
Merkpunkt: Klasse, da ich ab Anfang Mai in Schweden bin!

Dann meinte ich halt noch zu der Dame, dass ich leider kaum schwedisch spreche, sie sagte sie würde mit ihrem Boss sprechen und mich zurückrufen. Das geschah auch gleich zwei Stunden später.

Diesmal sahen die Antworten schon ganz anders aus:

– zu 1.) fragte sie mich, ob ich fließend englisch sprechen könne für die Bürokommunikation, was ich natürlich fleissig bejahte. Ich hoffe darauf, dass ich als deutsch native speaker da einfach genug Pluspunkte habe, dass das holprige schwedisch eventuell in Kauf genommen wird.

– zu 2.) ihr Boss meinte ich darf meine Bewerbung auch in englisch schreiben. Juhuuu was für ein Stein vom Herzen. Ich habe daraufhin zwei Tage mit Hochdruck an meinen Bewerbungsunterlagen gefeilt und mich schlussendlich noch dazu durchgerungen sie um 30,- von einer Übersetzerin Korrektur lesen zu lassen. Sicher ist sicher, da wollte ich kein Risiko eingehen.

– zu 3.) der Boss meinte ab Ende Mai wäre die Stelle eventuell schon zu besetzen, das wäre natürlich noch viel besser als Sommer. Im Stellenangebot stand auch „6 Monate oder länger“ und ich denke mir, wenn er mich mit Ende Mai anstellen will damit ich noch 1 Monat eingelernt bin, dann gibt es 8 Wochen Schutzfrist und wer weiß, vielleicht will die Dame ja doch ein paar Monate länger beim Baby daheim bleiben, man kann ja hoffen.

Ich bin geradezu besessen von dem Job, ich muss ihn kriegen, ich will ihn kiegen. Er ist meine Ausflucht … ich müsste nicht in der Einöde versauern, putzen gehen um ein bissel dazu zu verdienen, mich nicht von „seiner“ Familie dauernd zur Rede stellen lassen was ich denn nun mache. Ich bin kein selbstsüchtiger Mensch, aber diesen Job wünsche ich mir, so sehr, so sehr.

Am Mittwoch habe ich die Unterlagen weggeschickt …. bis 27. März geht die Ausschreibung. Bitte …